Roswitha und Waldemar Reinhard


 

Als Roswitha am Donnerstag., den 31. Dezember 2015 zum letzten mal die Ladentüre abschloss, neigte sich nicht nur das alte Jahr dem Ende zu, sondern auch die lange Ära der „Tante-Emma“- Läden in Niedernberg ging mit diesem Handgriff zu Ende. Roswitha stand fast 52 Jahre lang hinter der Theke. Die Hochzeit mit Waldemar, der mit seinem Friseursalon 1950 zuhause in der Turmgasse startete, fand 1964 statt. Bereits damals hatte sie im alten Laden (Hauptstr.45) mitgearbeitet .



Kindergartenidylle aus dem Jahre 1948. Die kleine Roswitha mit ihren blonden Zöpfen klettert am linken Bildrand.


  

Roswitha an ihrem letzten Tag im Kindergarten und Mitte der 50er Jahre mit ihrem Bruder Robert Hartlaub.


 

Kommunionskinder 1953: Roswitha in der 1.Reihe (4. v.li.) und mit Erika Ziegler vorm Haus der Patin (Schuster Eduard).


In der Mainaussicht, ca. 1957: V.l.n.r: Erika Ziegler, verh. Geyer, Christine Reinl, verh. Nebel, Roswitha und Bernd Reinhard



Gruppenbild von 1961. Die abgebildete Gruppe zog an Fasching durch den Ort und machte dabei Hausbesuche:
Vorne v.l.n.r.: Hannelore Schüssler (verh. Hohnhaus), Roswitha, Hedwig Hesbacher, Rita Hartlaub (verh. Herdt).
Hinten v.l.n.r.: Margot Zahn (verh. Klement), Hubert Hartlaub, der Schornsteinfeger könnte Werner Seitz sein, Bernd Sendelbach, Trudel Schmitt (verh. Gutjahr), Peter Weigert, Gerda Zahn (verh. Klug).


 

Roswitha schmückte lange Jahre den Altar auf dem Raiffeisenplatz an Fronleichnam, gibt heute noch Tipps. Auch ihr eigenes Anwesen sticht durch üppigen Schmuck mit Fähnchen und Blumen ins Auge, siehe nachfolgendes Foto. Schon bevor das Geschäftshaus gebaut wurde, stand vor dem Scheunentor in der Schulstraße ein von ihrer Mutter geschmückter Altar, wo sie mithalf, siehe Foto oben rechts. Auch bei ihrer Tante Berta in der Hauptstraße 15 half sie in den 1960ern beim Gestalten des Blumenteppichs, siehe Foto oben links.


Festlicher Fronleichnamsschmuck am Anwesen von Roswitha Reinhard, Ecke Hauptstraße / Schulstraße.


    

Auf dem linken Bilde (um 1930) erkennt man, dass rechts neben Roswithas Elternhaus (Karl Hartlaub) noch ein weiteres Anwesen stand. Damals hieß die Schulstraße noch "Schmiedgasse" und war sehr schmal, erkennbar auf dem rechten Bild (von 1927) am dünnen Sonnenstrahl, der quer über das Pflaster der Hauptstraße Richtung Kirche scheint. Das Anwesen wurde 1937 zur Verbreiterung der Schulstraße abgetragen. Einen Ansatz des ursprünglichen Gebäudes erkennt man heute noch an der Hauswand, die Stelle, an welcher die drei Mitteilungskästen angebracht sind, siehe Fronleichnam-Foto eins weiter oben.



 

Am 8.April 1958 wurde von Waldemar Reinhard in der Hauptstr. 45 ein Lebensmittelladen und Friseursalon eröffnet. Der Lebensmittelladen hatte seinen Eingang und das Schaufenster an der Straßenfront, war mit Bedienung und räumlich sehr beengt, den Friseursalon erreichte man durch einen Eingang im Hof. 1964 statt. Bereits vor der Hochzeit hatte Roswitha hier im alten Laden mitgearbeitet. Am 1.9.66 erfolgte die Eröffnung im Neubau der Schulstraße 1 a, an der Stelle, an welcher früher die Scheune des Elternhauses stand. 1981 fand eine Erweiterung für ein Getränkeabhollager statt.

    



 


Nach dem Tod von Waldemar (18.9.1997) führte Roswitha das Geschäft, welches keiner Handelskette angehörte, alleine. Roswitha legt großen Wert auf eine schöne Schaufenster-Dekoration, die sie mit viel Liebe saisonal gestaltet, sie dekoriert das Schaufenster auch heute noch.

  




Im Bild sehen wir Roswitha, Magdalena und Hanne im Laden. Das Geschäft ähnelte zuletzt einem kleinen Supermarkt, mit Selbstbedienung und Einkaufskörbchen. Roswiitha hatte auch immer was zum Naschen für Kinder, und auch für Erwachsene gab es meist eine kleine Dreingabe beim Einkauf. Die Freiwillige Feuerwehr und allgemein die Ortsvereine liegen ihr nochb heute sehr am Herzen. Roswitha unterstützte sie durch Sachspenden und Preisnachlässen. Im Laden erfuhr man auch, was im Ort geschehen ist. Nach der Schule machten die Kinder ihre kleinen Einkäufe bei ihr, meist Naschereien.

 


 




   

Impressionen von Denis Bechtel am 24. Dezember 2015. Am Schaufenster hängt ein Plakat vom KSC-Glühweinfest und eine Notiz "ab sofort 20% auf alles" ... viele Regale sind bereits fast leergeräumt.  Roswitha an Heilig Abend in ihrer seit 52 Jahren ausgeübten Tätigkeit. Eine Woche später, an Silvester 2015, hatte der Laden letztmalig geöffnet.

 

    



Fasching 2011 ikm Schwesternhaus




Waldemar



Waldemar eröffnete seinen ersten Fridseursalon1950, in der Turmgasse bei sich zu Hause. 1958 bis 1966 frisierte er in der Hauptstraße 45, in einem kleinen Raum, Eingang im Hof. Von 1966 bis zu seinem Tod 1997 hatte er sdeinen Salon in der Schulstraße 1 a, links neben dem Lebensmittellgeschäft seiner Gattin Roswitha. Im Foto oben sieht man Waldemar Ende der 70er/Anfang der 80er Jahre bei einer "Jux-Rasur" beim „Wenzel", im Hintergrund amüsiert sich Schuster Hugo Pöschl über die theaterreife Vorstellung..


   

Links: Waldemars Schulfoto von der ersten Klasse im Jahre 1936. Ihn findet man in der mittleren Reihe, der dritte Bub von rechts, mit dem längsgestreifen Jäckchen.



Waldemar war Mitglied in mehreren Ortsvereinen (Spvgg 1924 Spielvereinigung Niedernberg, KSC Kraftsportclub Germania, Turnverein TV Niedernberg 1961) und war zudem lange Jahre aktiver Sänger beim Gesangverein. Bei den Fußballspielen hat er oft den Eintritt kassiert, war treuer Zuschauer und Fan.

Seine Markenzeichen waren Sonnenbrille, Zigarrette und Gelfrisur.



 

Jahrgangstreffen 1929/30, Waldemar mit seinem unverkennbaren Gesichtszügen ist jeweils hinten links postiert



    

Historische Frisierstühle von Waldemar Reinhard, Originale aus den 1950er/60er Jahren. Später in der Schulstraße hatte er einen moderneren Stuhl. Der Kinderstuhl (rechts) war durch Drehen höhenverstellbar. Beim Erwachsenenstuhl konnte man die Lehne in verschiedene Positionen bringen und den Sitz drehen. Alle Fotos durch Mausklick vergrößerbar!


In unserem Wochenrätsel gilt es seit Januar 2021  Niedernberger Persönlichkeiten, welche in der Öffentlichkeit standen oder einen hohen Bekanntheitsgrad erreichten, sowie historische Ladengeschäfte, Firmen, Salons, Praxen, Wirtshäuser, Handwerksbetriebe etc. zu erraten. Nach Auflösung der jeweiligen Rätsel werden diese Personen mit Kurzbeschreibung und Bildmaterial hier in den Rubriken eingepflegt. 

Wir freuen uns auch über Vorschläge, Anregungen und Übermittlung von Archivmaterial, siehe hier...