Kleiderfabriken, Heimschneider

Hier stellen wir nach und nach ehemalige Heimschneider, Kleiderfabrikanten usw., welche in die Ortsgeschichte eingingen, vor.


Damenoberbekleidung Hermann Nebel (HN-Modelle)


Hermann Nebel ging von 1947 bis 1950 bei Johann Nebel in der Römerstraße zur Schneiderlehre. Danach arbeitete er bei dem gebürtigen Niedernberger Leo Klement in Sulzbach. Nach einer weiteren Stelle bei der Firma Rittger in Kleinwallstadt zog es ihn nach München. In der bayerischen Landeshauptstadt sammelte Hermann Nebel in einer renommierten Schneiderei Erfahrungen mit hochwertiger Maßkonfektion und Spezialanfertigungen. Etliche prominente Persönlichkeiten, wie z.B. Max Greger, für die er auch später in Niedernberg fertigte, gehörten zur dortigen Kundschaft. In der Voralpen-Metropole belegte er zudem Zuschneidekurse und bildete sich zum Bekleidungstechniker weiter. 1960 gründete Hermann Nebel seine eigene Firma, die sich zunächst im Erdgeschoss seines Elternhauses in der Hauptstraße 4 befand, zum Schluss schneiderte man dort mit ca. 20 Angestellten. Das Anwesen war der Bauernhof seiner Eltern, mit Misthaufen und freilaufenden Hühnern im Hof. Dieser Zustand war für ihn Nebel auf Dauer nicht befriedigend. Um einen Bauplatz für ein Fabrikgebäude zu schaffen, begann er frühzeitig am Stadtweg Gärten aufzukaufen. Hier entstand das erste Fabrikgebäude, das Ende 1968 eingeweiht wurde, siehe Foto unten rechts. 1976 folgte ein weiterer Bau bzw. die Erweiterung des Fabrikgebäudes zum Stadtweg hin, siehe Foto oben. Viele Einheimische fanden in der Firma Nebel eine Arbeitsstelle. In der besten Zeit waren ca. 90 Leute beschäftigt.

  




2012 wurde der Gebäudekomplex am Stadtweg 6 verkauft. Die seitens der Gemeinde im Jahre 2013 geplante Asylbewerberunterkunft ließ sich nicht umsetzen. In den Jahren 2013/14 wandelte der neue Besitzer die Fabrikräume in moderne Wohnungen und Lofts um, siehe Fotos aus April und Juni 2021.


    




 

Hochzeitsfoto der Eltern Anna (geb. Gehlert) und Karl Nebel. Rechts: Hermann bei der Einschulung im Jahre 1939.


   

Hermann mit der damals typischen Kommunionsmütze, Gebetsbuch und Rosenkranz schaut selbstbewusst in die Kamera. Rechts ein Porträt als Jugendlicher ca. 1950/51. 




Hermann auf die Stempel einer Amtsstube deutend beim Theaterspielen der Sänger. Mit Anton Lebert, Burkard Seitz und Herbert Reinhard (v.li.n.re.), alle (außer B.Seitz) mit angeklebten Schurrbärten.  


 

Bild links: Hermann als "Hahn im Korb"  bei einem Festbesuch zusammen mit Waldemar Reinhard, Irene Herd (geb. Schmitt) und Ida Sauer. Blunaflaschen und steinerne Ederbräu-Maßrüge stehen vor ihnen auf der Festbank. Das rechte Foto entstand im Februar 1960 bei einem Kappenabend im Gasthaus "Zur Krone".



 

Oben links: Hermann mit seinem Bruder Werner um 1953 vor dem Elternhaus in der unteren Hauptstraße. Rechts: Der vielsagende Blick von Hermann an seinem  80. Geburtstag im Juni 2013, als ihn sein Sohn Michael mahnte, er solle doch nicht rauchen. Hermann Nebel verstarb im März 2020 im Alter von 86 Jahren.



  

Im Jahre 1968 fertigte die Fa. Nebel die Olympia-Bekleidung für die Damen der Deutschen Sportjugend zu den Olympischen Spielen in Mexico. Die vier „Original Niedernberger“ Mannequins waren die Näherinnen Waltraud Klement, Walburga Kroth, Angelika Aust und Helga Nebel (v.li.n.re.).      Alle Bilder per Mausklick vergrößerbar



   

Bis ca. Mitte der 1980er Jahre trug die Konfektionskleidung das Logo „HN Modelle“, danach „Sebastiano“ (in Anlehnung an den Namen des Sohnes Sebastian). Im Jahr 2006 wurde die Hauptproduktion eingestellt. Bis zum Jahr 2012 schneiderte der Sohn Thomas Nebel mit ca. 10 Beschäftigten Maßkonfektion und Vereinskleidung. Leerstehende Räume zum Stadtweg hin wurden an Fremdfirmen, z.B. die Firma Olissimo, die Damenhosen verkaufte, vermietet.2012 wurde das Gebäude verkauft.




Die Kleiderfabrik Nebel nähte in den 1980er Jahrendie langen weißen Ministranten-Gewänder und stiftete diese der Pfarrei. Die Faschingsgruppe der Fa. Nebel beteiligte sich über Jahre hinweg mit ihren selbst gefertigten Kostümen (z.B. "Sultans") am Niedernberger Faschingszug und gewann damit einige Preise, u.a. hier mit den abgebildeten Till Eulenspiegel - Kostümen 1998. Die Die blauen Kostüme der Damenprinzengarde wurden ebenfalls in der Fa. Nebel gefertigt. Auch die roten Blazer der NCV-Damen (siehe unten) rechts wurden unter Sohn Thomas Nebel hergestellt.


   



In unserem Wochenrätsel gilt es seit Januar 2021  Niedernberger Persönlichkeiten, welche in der Öffentlichkeit standen oder einen hohen Bekanntheitsgrad erreichten, sowie historische Ladengeschäfte, Firmen, Salons, Praxen, Wirtshäuser, Handwerksbetriebe etc. zu erraten. Nach Auflösung der jeweiligen Rätsel werden diese Personen mit Kurzbeschreibung und Bildmaterial hier in den Rubriken eingepflegt. 

Wir freuen uns auch über Vorschläge, Anregungen und Übermittlung von Archivmaterial, siehe hier...