Weinanbau in Niedernberg

Wahrscheinlich brachten die Römer den Wein an Mosel und in die besetzen Regionen des Mains, so auch nach Niedernberg. Im Wald deutet viel auf einen Weinanbau zur Römerzeiten hin. Nach dem Rückzug der Römer verloren die Reben in unseren Gebieten jedoch an Boden und kamen vermutlich im 9. Jhd. durch die Klöster zurück an den Main. Die ersten Urkunden mit Hinweisen auf Niedernberger Weinanbau stammen aus dem Ende des 13. Jahrhunderts.

 
Herbert Hartlaub (Bildmitte) bei einer Weinlese in Großostheim Anfang der 1940er Jahre. Rechts: Weinlese 1975 im Lützeltaler Berg. In den Nachbargemeinden Großostheim und Großwallstadt wird noch heute Weinanbau betrieben. 

Nach alten Aufzeichnungen wurde noch 1771 in Niedernberg auf einer Fläche von 107 ½ Vierteln (ca. 8.9 ha) Wein angebaut. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts scheint der Anbau in Niedernberg endgültig aufgegeben worden zu sein. Die Blütezeit hatte der Weinanbau hier im 15. und 16. Jahrhundert. Im 17. Jahrhundert verursachte der 30-jährige Krieg mit der Verwüstung der Flur und damit auch der Weingärten und die katastrophale Entvölkerung einen ersten großen Einbruch im Weinbau. Im strengen Winter von 1732/33 erfroren viele Rebstöcke, was dem hiesigen Weinanbau weiter schadete. Die Weingärten lagen rund ums Dorf und an den Berghängen zum Maintal hin. Ein großes zusammenhängendes Anbaugebiet befand sich entlang der heutigen Großwallstädter Straße. Die Flurname, "Hohe Weingärten" und "Wüste Weingärten" und der heutige Straßenname „Am Wingert“ erinnert noch an das einstige Rebland. In den Nachbargemeinden Großostheim und Großwallstadt wird noch heute Weinanbau betrieben. 


Laut einer Kirchenrechnung von 1676 betrieben die Niedernberger auch in den Hängen des „Schwindenrain“ (Niedernberger Gemarkung auf Sulzbacher Mainseite) bis ca. Mitte des 18. Jahrhunderts Weinanbau. Das Niedernberger Gebiet auf der gegenüberliegenden Mainseite umfasst eine Fläche von ca. 3 ha und trägt die Flurnamen „Schwindenrain“ und „Schwindwiesen“. Es ist von alters her in Niedernberger Besitz


Bis Mitte ins 20. Jhd. waren noch etliche Häuserfassaden durch grünen Rebstockbewachs geschmückt, heute ist der Weinanbau in Niedernberg gänzlich verschwunden. Es weisen nur noch die vielen Flurnamen (Wingert / Weingarten im/am/vor) auf ehemalige Rebflächen im Niedernberger Gemarkungsbereich zurück. Der Obstanbau hielt Einzug, Apfelwein wurde zum Hausgetränk und löste den Wein in unserem Ort ab.

     




  

Ehemalige Weinberge im Osten (Steilhänge am Waldrand, Bilder per Mausklick vergößerbar)