Katholische Pfarrkirche St. Cyriakus




Wie eine Trutzburg liegt das im gotischen Stil errichtete Kirchengebäude direkt am Main, welcher durch einen Torbogen von der Kirchgasse aus erreichbar ist.

Sowohl der Glockenturm im Westen als auch der Chor (Altarraum) im Osten sind von 1461 bis heute erhalten.

Es ist anzunehmen, dass die Pfarrkirche das älteste Gebäude in Niedernberg ist. Bereits 1340 existierte eine Niedernberger Kapelle im Bereich der heutigen Pfarrkirche. Der Aschaffenburger Stiftsscholaster Heilmann Schwab bedachte in seinem Testament mehrere Kirchen und Kapellen mit einem kleinen Vermächtnis, darunter auch das „Gotteshaus in Nyderenburg“. Diese der wachsenden Einwohnerzahl nicht mehr gerecht werdende, kleine Kirche wurde vermutlich abgetragen oder 1461 in den Neubau der heutigen St. Cyriakus - Kirche eingebunden.Auch die älteste Glocke im Kirchturm stammt aus der Zeit vor 1461. Sie trägt die Jahrzahl 1455.

Sowohl der Glockenturm im Westen als auch der Chor (Altarraum) im Osten sind von 1461 bis heute erhalten.





Versuch einer Rekonstruktion. So wie hier auf den Skizzen könnte die Kirche 1461 ausgesehen haben. Im von Herbert Hartlaub angefertigten Modell  wird die damalige Ausrichtung nach Osten, Richtung Mainufer, dargestellt.


 

Ende des 19. Jahrhunderts und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde die Kirche erneut umgebaut und erweitert. Aufgrund der besseren Platzverhältnisse wurde die Kirche 1896/97/98 im Zuge der Erweiterung um 90° gedreht.



Der Grundstein für den letzten Erweiterungsbau der Kirche (Seitenschiff an der Mainseite) wurde am 29. Juni 1931 gelegt. Es war die Zeit, als sich die NSDAP anschickte, die Macht an sich zu reißen. Dementsprechend war auch vielerorts die persönliche Einstellung zur Kirche. Für den Ortsgeistlichen Pfarrer Seubert war es daher nicht leicht, eine entsprechende Unterstützung von Seiten der politischen Gemeinde für seinen Plan zu finden. (Heimatbuch Seiten 469 und 470)

    

Vor dem Anbau des Seitenschiffes musste die ganze rechte Außenwand mit den Stützpfeilern abgetragen und abgestützt werden, um das neue Seitenteil anfügen zu können. An der Südseite des alten Chores befand sich ein Rundfenster mit bunter Rosette. Dieses Fenster wurde wieder verwendet und an der Rückwand des rechten Seitenschiffes eingesetzt. Beim Erdaushub  für die Fundamente stieß man auf zahlreiche Gebeine, die aus dem früheren Kirchhof stammten. Pfarrer Seubert ließ die Knochen einsammeln und in einem Gemeinschaftsgrab hinter dem alten Chor beisetzen.

(Aufzeichnungen von Albert Wagner)

Die Arbeiter am Bau waren fast nur Niedernberger. (Heimatbuch Seite 470)


An der Südseite des Kirchturms findet sich die um 1822 dort eingelassene Grabplatte des Landschöffen Michael Groß, dessen Mut Niedernberg vor der Zerstörung durch die Schweden im Dreißigjährigen Krieg gerettet haben soll. Weitere Infos hierüber siehe Bildbeschreibungen weiter unten.





                                            Ansicht 1890                                                                                                       Ansicht 1900



                                                                                                  Ansicht um 1920



                                                                                                  Ansicht um 1930

Um 1930, Skizze von Eberhard Lehr (2008)




                                     Ansicht 1902                                                                                                     Ansicht 1930




                                                                                               Ansicht 1935


Die Pfarrkirche ist dem heiligen Cyriakus geweiht. Dieses Patrozinium geht hier im ehemaligen Erzbistum Mainz auf die zweite Welle der fränkischen Missionierung im frühen Mittelalter zurück. Reliquien des heiligen Cyriakus wurden bereits im Jahr 847 in der Stiftskirche St. Cyriakus zu Worms-Neuhausen (Kultmittelpunkt der königlichen Eigenkirche) verehrt.

Bis in die 1960er Jahre war der Cyriakustag (8. August) ein hoher Festtag in der Gemeinde, an dem nicht gearbeitet wurde. An diesem Tag wurde mehreren Messen und ein Hochamt gehalten. Die auswärtige Verwandtschaft kam zu Besuch. Früher wurde für Brot und Kuchen für diesen Festtag erstmals das neue Mehl aus der frischen Ernte verwendet. (Mdl. Überlieferung) Seit 1980 wird der Cyriakustag am darauf folgenden Sonntag kirchlich begangen.

(Heimatbuch Seite 476)


St. Cyriakus heilt die Königstochter; Miniatur aus dem Statutenbuch des Cyruakusstifts Worms, 1507

Es ist auch denkbar, dass das Cyriakus-Patrozinium in Zusammenhang mit Diemarius steht. Der heilige Cyriakus (im Bild bei der wurde von der Familie des Diemarius besonders verehrt. In den meisten Ortschaften, die mit Diemarius in Zusammenhang stehen, ist dieser Heilige der Kirchenpatron. 


Bis in die 1960er Jahre war der Cyriakustag (8. August) ein hoher Festtag in der Gemeinde, an dem nicht gearbeitet wurde. An diesem Tag wurde mehreren Messen und ein Hochamt gehalten. Die auswärtige Verwandtschaft kam zu Besuch. Früher wurde für Brot und Kuchen für diesen Festtag erstmals das neue Mehl aus der frischen Ernte verwendet. (Mdl. Überlieferung). Seit 1980 wird der Cyriakustag am darauf folgenden Sonntag kirchlich begangen.(Heimatbuch S.477)


                                                                                                     Ansicht 1960


                                                                                                      Ansicht 2018





Turm und alter Chor aus dem Jahre 1461 und Hochwassermarken am Rundbogendurchgang zum Main.








Die Niedernberger Weihnachtskrippe im auth. Orientstil. Weitere Weihnachtsimpressionen aus Niedernberg gibt es hier...








Der Opferkerzentisch












Ausschnitt aus dem Hochaltar (mittig, rechte Seite) von Josef Rotermund, Nürnberg, erbaut 1897




           St. Cyriakus mit Palmzweig


  

                     Relief der Krönung Maria (um 1530)











  

Historische Aufnahmen von Albert Seitz (mit Zeppelin und Malerarbeiten am alten Ziffernblatt). Rechts ein Foto von Pfarrer Eckert (1946-64), welches er Karl Gyhra schenkte, der es dem Geschichtsverein überreichte. Ebenfalls mit der alten Kiirchenuhr und wahrscheinlich noch mit dem manuellen Läutwerk. 1981 wurde eine neue Uhr angebracht. Rechts oben eingefügt Margarethe Seitz (*1899, †1984).

1956 wurde im Kirchturm eine elektrische Läutanlage installiert. Bis dahin erfolgte die Bedienung der Glocken manuell. Vor und während der Gottesdienste waren hierfür die Ministranten zuständig. Die Uhrzeit um 6 Uhr, 11 Uhr, 12 Uhr 18 Uhr und in der dunklen Jahreszeit früher auch noch um 20 Uhr läutete zuletzt die an der Kirche wohnende Margarethe Seitz, genannt „Laid-Gred“. Für das Aufziehen der Kirchturmuhr war ihr Nachbar Albert Seitz zuständig.

(Heimatbuch Seite 476 und mdl. Überlieferung)












Am 3. 7. 1820 ließ der damalige Pfarrer Herrdegen den 1814 aufgelassenen und sehr verwilderten Friedhof um die Kirche einebnen. Die Grabplatte des 1616 verstorbenen Landschöffen Michael Groß ließ er am Kirchturm einmauern. Die meisten übrigen Gedenksteine wurden zertrümmert und beim Bau der zweiten Schule (heutiges Pfarrbüro) im Fundament vermauert. Einzelne noch vorgefundene Grabsteine wurden von Pfarrer Seubert beim Bau des neuen Kirchenschiffs (1897) im äußeren Mauerwerk bzw. am Treppenabgang zum Main eingelassen.


Links im Bild: der im Kirchenturm eingemauerte gGabstein des Michael Groß, rechts die Steintafel des Steinsetzers Endres Reinfart. Für weitere Details nach unten scrollen.













Jahreszahl und Steinmetzzeichen an der Südseite des Kirchturms. Die nach unten offene Acht steht für die Zahl vier (1461)



An der Südseite des Kirchturms wurde um 1820 die Grabplatte des Landschöffen Michael Groß eingelassen, welcher der Sage nach durch seinen Mut Niedernberg vor der Zerstörung durch die Schweden im Dreißigjährigen Krieg gerettet hat. Widersprüchlich sind allerdings die Angaben auf der Grabplatte, demnach ist Michael Groß bereits zwei jahre vor Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) verstorben. Dies wird auch durch das Leibeigenverzeichnis vom Jahre 1617 bestätigt, somit kann der ehrenhafte Michael Groß niemals der wahre Retter Niedernbergs gewesen sein. 

Inschrift: ANNO. 1.6.1.6. DEN 18. MAY IST IN GOTT VERSCHIDEN. DER EHRENHAFTE MICHAEL GROS. LANDSCHEF IN NIDERNBVRG. SEINES ALTERS 70. JAHR. DEREN SEHLL GOTT GNEDIG SEIN WELE AMEN  Der Du bist bin ich gewesen der Ich bin wirst Du gewesen







Links vor dem Torbogen ist die Steintafel des Steinsetzers Endres Reinfart eingelassen.

Rechts am Torbogen befinden sich die Hochwassermarken, dort sieht man den Pegelstand extremer Hochwasserjahre.




Wegen seiner geografischen Lage, direkt neben dem Main hat die Gemeinde Niedernberg schon immer gegen Hochwasser zu kämpfen, meist im Frühjahr nach einer Schneeschmelze. Das schlimmste Hochwasser war 1342, das Magdalenenhochwasser. Den höchsten Pegelstand seit dem Jahre 1342 erreichte der Main am 29. Februar 1784. An diesem Tag wurde ein Wasserstand von acht bis zehn Metern über dem Normalwert erreicht. Außerdem hatte Niedernberg in den Jahren 1275, 1306, 1342, 1442, 1546, 1663, 1682, 1709, 1846, 1909, 1970 und 1982 mit extremem Hochwasser zu kämpfen. Auch heute tritt der Main hin und wieder aus seinem eigentlichen Flußbett und überschwemmt die naheliegenden Häuser und Gärten. Weitere Informationen finden Sie im Niedernberger Heimatbuch.



Hochwasser im Februar 2011   

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