Brunnenmaske


Vitrine in der Archäologischen Staatssammlung München.  Das Original befindet sich im Stiftsmuseum Aschaffenburg.



Die Brunnenmaske, die einzige ihrer Art, die bislang nördlich der Alpen gefunden wurde, ist bereits kurz nach der Gründung zum Vereinsemblem des Geschichtsvereins erkoren worden. Die Maske wurde im April 1964 bei Grabungen für einen Kanal in der Hauptstraße zwischen Fährgasse und Hirtengasse gefunden und stammt vermutlich aus der ersten Hälfte des 2. Jahrhunderts. Frau Hanna Büchler sicherte das in dieser Art einmalige Fundstück, so blieb es für die Öffentlichkerit erhalten.  (Nachfolgende Bilder per Mausklick verrgrößerbar)




Die ausgezeichnet erhaltene Maske mit ihrem kahlen Schädel und dem etwas schief sitzenden Efeukranz stellt einen Silenskopf dar, von dem nur die Gesichtshälfte ausgearbeitet wurde. Der römische Dichter Ovid schildert Silenus als dicken, glatzköpfigen Erzieher des Bacchus, des römisches Gottes des Weines. Ursprünglich jedoch stellten die Silene die Elementargeister des Waldgebirges dar, die auf dem Berge wohnten und lebensspendende Quellen schufen. Später erst wurden die Silene verweltlicht, indem man sie als irdische Trinker mit Efeukranz darstellte.

Die Maske ist ganz aus Bronze gegossen und hat ein Gewicht von 7,5 kg, ist 20,5 cm hoch, 16 cm breit und hat hinten einen erhaltenen Rohrstutzen von 14 cm Länge und einen äußeren Durchmesser von 4,5 cm. Das Original ist im Aschaffenburger Stiftsmuseum zu finden.

Einen Abguß der Brunnenmaske hat der Geschichtsverein in Fundortnähe (an der Eisdiele) in seiner ursprünglichen Funktion, nämlich als Wasserspeier, angebracht. Der Brunnen wurde im Frühjahr 2002 fertiggestellt.


Die Idee zu diesem Brunnen wurde in der Eisdiele geboren.

Da die in Niedernberg gefundene Brunnenmaske ein einzigartiges Fundstück ist, sollte sie auch für möglichst viele Menschen zu sehen sein – und dies möglichst in Fundortnähe. Die Sandsteinmauer des Torhauses an der Eisdiele in der Hauptstraße bot sich geradezu an, da diese schräg gegenüber des Fundortes liegt. Dann entstand die Idee, daß dies in Verbindung mit einem Wandbrunnen ideal wäre, da so die Brunnenmaske in ihrer ursprünglichen Funktion, nämlich als Wasserspeier, zu sehen sein würde. Der Grundstücksbesitzer Herr Rudi Hartlaub erklärte sich einverstanden und so konnten die Arbeiten beginnen. Als Wasserbecken diente ein alter Sandsteintrog. Die Nachbildung der Brunnenmaske wurde von der Kunstgießerei Grundhöfer gefertigt. Im Frühjahr 2000 wurde der Brunnen der Öffentlichkeit übergeben.








Eine Nachbildung aus Bronzeguß beim Wasserturmfest 2019 (Wasser-Erlebnis-Stand des Geschichtsvereines, Fotos...)



    

Links: Juni 2018 mit plätscherndem Wasser, rechts Winteransicht von Januar 2019 mit gefrorenem Eis im Becken







And the Oscar goes to ... Niedernberg  -  Bundespreis für Anneliese Hartlaub beim Wettbewerb "Europa in der Schule"

48. Europäischer Wettbewerb 2001

Thema 221:

Beschreibe aus deiner näheren Umgebung oder aus einem anderen Ort in Europa, den du selbst besucht hast, ein Natur- oder Kulturdenkmal, das dir für die Zukunft besonders erhaltenswert erscheint!

Die Niedernberger Brunnenmaske (Aufsatz)

Schon oft betrachtete ich mir den Wasserspeier am Eisdielenbrunnen meines Onkels in der Niedernberger Hauptstraße. Es ist eine Brunnenmaske aus der römischen Geschichte Niedernbergs, wie meine Oma mir erklärte. Die Erläuterungstafel fehlt noch, meinte sie, am besten fragst du mal Hanna Büchler, sie kann dir Genaueres erzählen.

Daraufhin besuchte ich Frau Büchler. Sie ist schon über 75 Jahre alt und kennt sich in der Geschichte Niedernbergs aus. Zuerst zeigte sie mir einige römische Tonbehälter, eine verrostete Lanzenspitze und viele Scherben, die sie auf ihrem Grundstück selbst ausgegraben hatte. Natürlich fragte ich sie gleich nach der Brunnenmaske und sie erzählte mir die Geschichte unseres Denkmals.

Bis 1958 pumpten die Niedernberger ihr Wasser aus Brunnen. Dann wurden nacheinander Wasserleitungen und Abwasserkanäle gebaut. Im Jahr 1964 wurde die Hauptstraße aufgegraben. Frau Büchler war noch beim Erzählen ganz aufgeregt: Ich weiß alles noch ganz genau, berichtete sie. Es war ein heißer Tag, ich machte gerade Pfannkuchen. Da kam ein Bauarbeiter, den ich gut kannte, an mein Küchenfenster und rief außer Atem: „Do hohn se e Gesischt gefunne!“ Ich hab den Herd ausgeschaltet und bin mit ihm hin.

An der Fundstelle packte der Baggerführer aus seinen öligen Lappen das „Gesicht“ aus und reichte es Frau Büchler hin. Es war so schwer, dass sie erschrak. Unter dem Schmutz konnte sie ein ca. 15 cm langes Rohr erkennen, welches im Mund eines Gesichtes endete. Sie vermutete sofort, dass es sich um ein Fundstück aus der Römerzeit handelte, weil bei Kanalarbeiten schon öfter römische Gegenstände gefunden worden waren. Gleich bat sie ihn, es ihr zu geben. Doch er zeigte ihr die glänzende Stelle am Ohr der Maske, an der er gefeilt hatte. „Das ist Gold, das geb ich nicht her.“  Enttäuscht ging Frau Büchler zu ihren Pfannkuchen zurück.

Wenige Tage später besuchte sie wegen anderer Römerfunde Museumsdirektor Schneider aus Mainz. Sie erzählte ihm von dem „Gesicht“ und von ihrer Vermutung. Er riet ihr, sofort noch einmal zum Baggerführer zu gehen. Diesmal fragte sie den stolzen Finder, was er für sein „Gesicht“ verlange. Weil es so ein heißer Tag war, wollte er am liebsten nur Bier für alle haben. Das erledigte Frau Büchler schnell.

Freudestrahlend zeigte sie dem wartenden Herrn Schneider das Prachtstück. Dieser nahm die Maske mit und ließ die notwendigen Untersuchungen durchführen. Damals wurden drei Kunststoffabgüsse vom Originalkopf angefertigt. Einen erhielt Hanna Büchler, einen das Stiftsmuseum Aschaffenburg und den dritten ein Würzburger Museum. Das Original befindet sich noch heute in einem historischen Museum in Mainz. Frau Büchler zeigte mir an ihrer Kopie eine Vertiefung am linken Ohr der Maske: „Das ist die Stelle, an der der Baggerführer gefeilt hat. Aber sonst ist nichts beschädigt“.

Von Hanna Büchler bekam ich die genaue Beschreibung der Brunnenmaske in einer Broschüre über das Römerkastell Niedernberg, die unser Heimatpfleger Albert Wagner herausgegeben hat. Darin ist das Aussehen der Maske mit vielen Fachbegriffen ausführlich beschrieben. Die Maske ist ganz aus Bronze gearbeitet, 7,5 kg schwer, 20,5 cm hoch und hat einen 14 cm langen Rohrstutzen mit etwa 4 cm Durchmesser. Das Rohrstück wurde in einem zweiten Gussverfahren angefügt und geht in die als Ablauf ausgebildete Zunge über. Um den Mund herum ist ein dichter Bart, der bis zu den Ohrläppchen hinaufreicht. Über der faltigen, kahlen Stirn sitzt ein Efeukranz, der vorne eine Blüte und zu beiden Seiten des Kopfes jeweils drei abstehende Blätter hat. Für mich sieht sie aus wie ein lustiger, glatzköpfiger Mann mit einer Knollennase, einem zotteligen Bart, dicken Augenbrauen und einem Efeukranz auf dem Kopf, der auf den ersten Blick so wirkt, als hätte der Mann Hörner.

Für die Römer sollte er, so vermuteten die Historiker, den Gott Silenus darstellen. Der römische Dichter Ovid schilderte den Silenus als dicken, glatzköpfigen Erzieher des Gottes Bacchus. Aus der gleichen Broschüre weiß ich, dass ursprünglich die Silene für die Römer die Elementargeister des Waldes darstellten die auf den Bergen wohnten und lebensspendende Quellen schafften.

Die Niedernberger Brunnenmaske ist das einzige Exemplar, das nördlich der Alpen gefunden wurde. Heute werden von der Niedernberger Kunstgießerei Grundhöfer die Nachbildungen wieder in Bronze gegossen. Immer wenn ich zu der Eisdiele mit dem besten Eis der Welt gehe, bleibe ich bei der Brunnenmaske stehen und streiche mit dem Finger über den Schlitz am Ohr.

Ich finde es wichtig, dass die Maske bei uns in Niedernberg erhalten bleibt, weil wir damit etwas zum Anfassen haben, was uns an die Ursprünge Niedernbergs als Römerkastell erinnert und weil sie dazu anregt, Fragen zu stellen. Ich habe durch sie vieles über die Geschichte meines Heimatortes erfahren.

2001, Anneliese Hartlaub, Kronberg Gymnasium, Aschaffenburg, Jg. 5,



Diese Nachbildung der Brunnenmaske in Plakettenform überreichte
der damalige Vorsitzende Berthod Lieb der stolzen Schülerin.