Das wohl älteste Verkehrsmittel in Niedernberg war die Mainfähre zwischen Niedernberg und Sulzbach.



Fakten zur letzten Fähre:

Betriebsjahre: 1964 bis 1994

Gewicht: 48 Tonnen

Länge: 17 Meter

Breite: 4,85 Meter

Tiefgang: 90 Zentimeter

Antrieb: Schottelantrieb mit zwei Hauptpropellern

Leistung: 48 Kilowatt (65 PS)

Höchstgeschwindigkeit: fünf Knoten (gut neun Stundenkilometer)



Schon die ersten Fähren hatten in der eisenbahnlosen Zeit dem Personen- und Güteraustausch zwischen Bachgau und Spessartorten zu dienen. Diese Fähren wurden an Furten angelegt, an denen der Main bei niedrigem und höherem Wasserstand überquert werden konnte. Die Mainüberfahrt bestand nachweislich schon in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts.

Während dem 30-jährigen Krieg ist die Fährverbindung zwischen Niedernberg und Sulzbach in Abgang geraten. Da im 17. Jahrhundert die Bevölkerungszahlen wuchsen und der Handel und der Güteraustausch wieder zurückkamen, schrieb der Keller im Bachgau am 19. Mai 1685 einen Brief an den Erzbischof zu Mainz um die Wiedererrichtung der „Nachenfahrt zu Niedernberg“ zurückzuholen.

Im September des gleichen Jahres verlieh das Vizedomamt in Aschaffenburg unter der Bedingung, jährlich drei Gulden in die Bachgauer Kellereikasse zu zahlen, das Fährrecht erblich an Johann Reinhard von Niedernberg.

1883 wurde den Fährleuten geraten, die Längsbauten an der Fährstelle gänzlich zu schließen, da eine Seilfähre sich sehr günstig gestalten würde.

1884 wurde mitgeteilt, dass die Rampe ursprünglich der Ziehweginstandsetzung (=Leinritt) 1869 vom Staat hergestellt worden sei, die Instandsetzung aber den Fahrbesitzern obliege.

Aus dem Gemeindeprotokoll vom 30. Januar 1898 ist zu entnehmen, dass die Fährbesitzer die Fähre in eine Hochseilfähre umbauen wollten. 1928 wurde die Fähre durch die Rhein-Main-Donau AG in eine Hochseilfähre umgebaut.
Die durch die R.M.D. AG München hergestellten Landeplätze und beidseitigen Auffahrtsrampen zur umgebauten Hochseilfähre, erfolgten durch die Gemeinde Niedernberg gemäß der Niederschrift vom 19. Mai 1928

Während der Nachkriegsjahre verband die Mainfähre die Gemeinde Niedernberg mit dem Bahnhof und Lagerhaus auf Sulzbacher Seite.

Als jedoch in den 60er Jahren das Auto in Deutschland antrat, verlor die Fähre an Bedeutung und die Fährbesitzer stellten am 1. November 1962 den Fahrbetrieb zwischen Niedernberg und Sulzbach ein. Durch diese Maßnahme trat ein Verkehrsnotstand ein, da es keine Möglichkeit mehr gab, nach Sulzbach an den Bahnhof zu gelangen.

Am 19. Juni 1964 kam ein Kaufvertrag zwischen der Gemeinde Niedernberg und den Fährbesitzern zustande, da die Fähre sich in einem reparaturbedürftigen Zustand befand und die Herrichtung 10.000 DM gekostet hätte, wurde die Fährverbindung auf kommunaler Ebene weitergeführt.

Durch die geringe Inanspruchnahme und die steigenden Personalkosten wurde die Fähre zu einem Verlustgeschäft für die Gemeinde Niedernberg.



Dieser Fährkahn kam bis 1983 zur Beförderung von max. 12 Personen zum Einsatz, z.B. bei Reparatruren an der Mainfähre oder bei ungünstiger Wasserverhältnissen (z.B. Hochwasser). 1984 wurde ein neuer Fährnachen (siehe oben Bild 1) angeschafft, mit 13 m Länge und 2,5 m Breite konnte dieser 25 Personen befördern, die Einweihnung erfolgte am 11. November durch Pfarrer Wolfgang Schwartz und Bürgermeister Hans Herrmann.


Die Mainfähre wurde ab dem 25. Dezember 1989 vorübergehend stillgelegt, da der Bootsführer nun wegen zu lauten Motorgeräuschen Schallschutz tragen sollte, er so aber nicht mehr die Signale der Schiffe und sein Funkgerät hören würde und die Gemeinde sich keine zweiten Mann leisten konnte.

Da keine zufriedenstellende Lösung mehr gefunden werden konnte, erklärte sich der Kreis Miltenberg bereit, die Kosten für den zweiten Mann an Deck zu übernehmen. So wurde der Fahrbetrieb am 08. Januar 1990 weitergeführt.

Am 08. Mai 1991 wurde die Fähre für Lastkraftwagen wegen den ständigen Protesten der Anlieger in der Fährgasse gesperrt.

Im der Gemeinderatssitzung am 25. Mai 1993 entschied der Gemeinderat, dass bei der nächsten größeren Reparatur der Fährbetrieb eingestellt wird. Im Juni 1993 wurde ein Brandschlag auf den Fährnachen verübt, wobei erheblicher Sachschaden entstand. Daraufhin wurde der Nachen auf dem Gelände des Bauhofes abgestellt.



Als dann am 22. April 1994 der Dieselmotor der Mainfähre defekt ging, wurde der Fährbetrieb endgültig eingestellt.

Es dauerte sechs Jahre, bis mit dem Bau der "Roland-Schwing-Brücke" (ehemalige Namensnennung: "Blaues Wunder") die Mainquerung zwischen Sulzbach und Niedernberg wieder möglich wurde, vielleicht auch erst dadurch, dass die Fährverbindung nicht mehr existierte.

Die Niedernberger Fähre hatte inzwischen den Besitzer gewechselt,  Käufer war der Bauunternehmer Alfred Kunkel von der Firma Stix. Sie wurde nun auf dem Mainaschaffer Mainparksee sporadisch für Arbeiten auf dem See eingesetzt, u.a. zur Pflanzen- und Algenbekämpfung.


In 2018 haben ein paar technikbegeisterte Männer die Fähre wieder in Stand gesetzt und wollen diese auf dem Main zur touristischen Nutzung einsetzen. Sie haben dafür extra einen „Verein zur Förderung und Erhalt der Churfranken-Fähre“ gegründet. Jetzt geht sie wie­der in Be­trieb – al­ler­dings nicht am al­ten Stand­ort, um Per­so­nen, Fahr­rä­der und Au­tos über den Main zu be­för­dern. Statt­des­sen wird die Fäh­re künf­tig als Kul­tur­pro­jekt zwi­schen Aschaf­fen­burg und Mil­ten­berg schip­pern.


Fast ein Vierteljahrhundert lang fristete die alte Fähre in Mainaschaff ein Schattendasein. Der Bauunternehmer Alfred Kunkel von der Firma Stix hatte sie gekauft und im Mainparksee zu Wasser gelassen, um sie zur Pflanzen- und Algenbekämpfung einzusetzen.

Die Wiederbelebung geht auf die private Initiative einiger mutiger Männer aus dem Landkreis Miltenberg zurück. Günter Goldhammer aus Soden, Georg Lemke aus Dornau, der Elsenfelder Rudi Schuck und weitere Mitstreiter gründeten dafür eigens den »Verein zur Förderung und Erhaltung der Churfranken-Fähre«. (Foto Martin Roos)

In Absprache mit dem Eigentümer restaurierten die Vereinsmitglieder in über 1000 Arbeitsstunden das ausrangierte Wasserfahrzeug. Der Antrieb wurde vollständig überholt und der komplette Aufbau wieder aufgehübscht. Mit moderner Sicherheitstechnik versehen, ist die alte Fähre nun fit für die offizielle Zulassung für den Betrieb auf dem Main.



Per Kran aus dem Mainparksee gehoben (Foto Martin Roos)

Am Montag war es soweit: Bei Sonnenaufgang um 5 Uhr startete am Mainparksee die große Transferaktion. Um 8.40 Uhr schwebte die 48 Tonnen schwere Fähre, gehalten von zwei großen Autokränen, hinüber zum Main. Dort wartete schon der Schlepper »Bayern 2«, um sie in den Aschaffenburger Floßhafen zu ziehen. Neben der Wasserwacht und einigen Schaulustigen ließ es sich auch der 76-jährige Günther Klement nicht nehmen, die spektakuläre Luftfahrt »seiner« Fähre zu verfolgen – der Niedernberger hatte sie 1964/ 65 ein Jahr lang über den Main gesteuert.


Am Sams­tag, dem 8. Juli 2018 fand im Aschaf­fen­bur­ger Floßha­fen an der An­le­ge­s­tel­le der Ma­ri­ne-Ka­me­rad­schaft im Rah­men ei­ner Fei­er­stun­de die of­fi­zi­el­le Über­ga­be der Fäh­re statt. (Foto Martin Roos)

Die Fähre darf nach der Untersuchung durch den »Schiffs-TÜV« die offizielle Boots-Nummer »AB - Z 47« tragen. Besitzer und Bauunternehmer Werner Kunkel (Firma Stix) überreichte symbolisch den Schlüssel der Fähre an den Vorsitzenden des »Vereins zur Förderung und Erhaltung der Churfranken-Fähre«, Günter Goldhammer. Dieser erinnerte an die Idee, die Fähre wieder in Betrieb zu nehmen und an die »zwölf mutigen Männer«, die den Verein »Verein zur Förderung und Erhaltung der Churfranken-Fähre« gegründet hatten.


Im Floßhafen wird die Fähre für den Verkehr auf dem Main behördlich abgenommen. Anschließend wird sie zum künftigen Heimathafen in Erlenbach gebracht.



Am Kerbsonntag im September 2018 besuchte die Fähre ihren alten "Arbeitsplatz" Niedernberg und legte zur vollen Stunde zwischen 13 und 18 Uhr am Fähranleger ab. Alle Fahrkarten waren schnell ausverkauft.



Die restaurierte Fähre im Einsatz bei der Brücken-Umbennennung im August 2018. Das sogenannte „Blaue Wunder“ wurde offiziell in Roland Schwing Brücke umbenannt - dem Mann, der während seiner Amtszeit als Landrat das Projekt erst möglich machte. (Mehr Bilder und Bericht siehe meine-news.de)