Römisches Kohortenkastell Niedernberg (am "nassen" Limes)

Der Limes in Deutschland ist mit 550 km das längste Bodendenkmal nach der Chinesischen Mauer. Er stellte in der Zeit vom frühen zweiten bis zum dritten Jahrhundert die Grenze zwischen dem Römischen Reich und den germanischen Stammesverbänden dar. Er verläuft durch die Gebiete der heutigen Bundesländer Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz.

Errichtet wurde der Limes in verschiedenen Ausbaustufen in der Zeit zwischen 100 n.Chr. und 160 n.Chr. Über einhundert größere und kleinere Militärlager und neunhundert Wachttürme reihten sich entlang der Grenzsperren, die in der Provinz Obergermanien als Holzpalisade bzw. Erdwall und Graben, in der Provinz Raetien als Steinmauer ausgeführt waren. Als "nasser Limes" (auch "Mainlimes" genannt) zählt die natürliche Grenzlinie entlang des Untermains, siehe Karte weiter unten.

Als künstlich über Land gezogene Grenzlinie, die häufig keinerlei Rücksichten auf das Gelände nimmt, war der Limes auch ein technisches Bauwerk von hoher Ingenieurskunst. Als überwachte Demarkationslinie zeigte er unübersehbar das äußere Ende der durch Rom verwalteten und beschützten Welt an. Erst bei den Germaneneinfällen nach der Mitte des 3. Jahrhunderts fanden die römischen Siedlungen entlang und hinter dem Limes ihr Ende.


Film über Niedernberg aus "Museen am Mainlimes":


27. Kastell am Limes: Niedernberg  (weitere Kastelle und Kartenübersicht siehe Übersicht hier...)

In traianischer Zeit wurde das Kastell der Cohors I Ligurum et Hispanorum erbaut, die Anlage besitzt 2,2 ha Fläche und einen nicht ganz regelmäßigen, annähernd quadratischen Grundriss von 135 auf 144 m. Ausgerichtet ist sie nach Osten, zum Main hin. Ältere Vorgängerlager sind nicht bekannt. Die Reichs-Limeskommission unter W. Conrady beschränkte ihre Untersuchungen auf wenige Sondagen zur Lokalisierung der Wehrmauern und Tore, neuere Grabungen fanden 2000/2001, 2005 und 2009 im Zusammenhang mit Bauarbeiten statt.

Ein zwischen der Kastellfront und dem Main liegendes Badegebäude wurde 1884/85 großflächig aufgedeckt. Das Kastelldorf liegt im Westen, Norden und Süden des Lagers, auf der dem Main zugewandten Seite konnte keine Vicusbebauung festgestellt werden.

Kastell und Vicusareal liegen im südlichen Bereich des alten Ortskerns und sind völlig überbaut. Die Grundrissstruktur der heutigen Stadt ist auf das Straßenkreuz des Kastells zurückzuführen. Obertägig sind keine Befunde sichtbar, mit erhaltenen Befunden ist vor allem unter nicht unterkellerten Gebäuden und in den Gärten westlich des Ortskerns zu rechnen. Die nördliche Vicusausdehnung konnte mit der Bestimmung des Gräberfeldes indirekt begrenzt werden.

Durch die dichte Bebauung sind weite Teile des Denkmals nicht öffentlich zugänglich. Markierungen im Straßenpflaster kennzeichnen die Lage der Torturm-Fundamente. Fundobjekte sind mit der Nachbildung des Grabsteins von Marcellus Bolgedonis und dem Abguss einer Brunnenmaske öffentlich zugänglich gemacht.


Kastelltormarkierung am Rathaus.





Nordwestecke mit Blick Richtung Kastelltormarkierung am Rathaus


Das Kastellbad  befand sich vor der südlichen Hauptkastellfront in der Nähe zum Main, wie auch die meisten Kastellbäder am „Nassen Limes“.  Mehr Infos zur römischen Badeanlage gibt es hier...








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