Katholische Pfarrkirche St. Cyriakus



Bereits 1340 existierte eine Niedernberger Kapelle im Bereich der heutigen Pfarrkirche. Der Aschaffenburger Stiftsscholaster Heilmann Schwab bedachte in seinem Testament mehrere Kirchen und Kapellen mit einem kleinen Vermächtnis, darunter auch das „Gotteshaus in Nyderenburg“. Diese der wachsenden Einwohnerzahl nicht mehr gerecht werdende, kleine Kirche wurde vermutlich abgetragen oder in den Neubau der heutigen St. Cyriakus - Kirche eingebunden.

Wie eine Trutzburg liegt das Kirchengebäude direkt am Main, der durch einen Torbogen von der kirchgasse aus erreichbar ist. Sowohl der Turm als auch der Chor von 1461 sind bis heute erhalten. Ende des 19. Jahrhunderts und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde die Kirche umgebaut und erweitert. An der Südseite des Kirchturms findet sich die um 1822 dort eingelassene Grabplatte des Landschöffen Michael Groß, dessen Mut Niedernberg vor der Zerstörung durch die Schweden im Dreißigjährigen Krieg gerettet haben soll. Weitere Infos siehe Bildbeschreibungen.



Die Pfarrkirche ist dem heiligen Cyriakus geweiht. Dieses Patrozinium geht hier im ehemaligen Erzbistum Mainz auf die zweite Welle der fränkischen Missionierung im frühen Mittelalter zurück. Reliquien des heiligen Cyriakus wurden bereits im Jahr 847 in der Stiftskirche St. Cyriakus zu Worms-Neuhausen (Kultmittelpunkt der königlichen Eigenkirche) verehrt. (Heimatbuch Seite 476)


St. Cyriakus heilt die Königstochter; Miniatur aus dem Statutenbuch des Cyruakusstifts Worms, 1507

Es ist auch denkbar, dass das Cyriakus-Patrozinium in Zusammenhang mit Diemarius steht. Der heilige Cyriakus (im Bild bei der wurde von der Familie des Diemarius besonders verehrt. In den meisten Ortschaften, die mit Diemarius in Zusammenhang stehen, ist dieser Heilige der Kirchenpatron. In Niedernberg wurde bis 1980 das Patrozinium am 8. August als örtlicher Feiertag begangen, an dem nicht gearbeitet wurde.



Turm und alter Chor aus dem Jahre 1461 und Hochwassermarken am Rundbogendurchgang zum Main.














Ausschnitt aus dem Hochaltar (mittig, rechte Seite) von Josef Rotermund, Nürnberg, erbaut 1897


























Am 3. 7. 1820 ließ der damalige Pfarrer Herrdegen den 1814 aufgelassenen und sehr verwilderten Friedhof um die Kirche einebnen. Die Grabplatte des 1616 verstorbenen Landschöffen Michael Groß ließ er am Kirchturm einmauern. Die meisten übrigen Gedenksteine wurden zertrümmert und beim Bau der zweiten Schule (heutiges Pfarrbüro) im Fundament vermauert. Einzelne noch vorgefundene Grabsteine wurden von Pfarrer Seubert beim Bau des neuen Kirchenschiffs (1897) im äußeren Mauerwerk bzw. am Treppenabgang zum Main eingelassen.


Links im Bild: der im Kirchenturm eingemauerte gGabstein des Michael Groß, rechts die Steintafel des Steinsetzers Endres Reinfart. Für weitere Details nach unten scrollen.













Jahreszahl und Steinmetzzeichen an der Südseite des Kirchturms. Die nach unten offene Acht steht für die Zahl vier (1461)



An der Südseite des Kirchturms wurde um 1820 die Grabplatte des Landschöffen Michael Groß eingelassen, welcher der Sage nach durch seinen Mut Niedernberg vor der Zerstörung durch die Schweden im Dreißigjährigen Krieg gerettet hat. Widersprüchlich sind allerdings die Angaben auf der Grabplatte, demnach ist Michael Groß bereits zwei jahre vor Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) verstorben. Dies wird auch durch das Leibeigenverzeichnis vom Jahre 1617 bestätigt, somit kann der ehrenhafte Michael Groß niemals der wahre Retter Niedernbergs gewesen sein. 

Inschrift: ANNO. 1.6.1.6. DEN 18. MAY IST IN GOTT VERSCHIDEN. DER EHRENHAFTE MICHAEL GROS. LANDSCHEF IN NIDERNBVRG. SEINES ALTERS 70. JAHR. DEREN SEHLL GOTT GNEDIG SEIN WELE AMEN  Der Du bist bin ich gewesen der Ich bin wirst Du gewesen







Links vor dem Torbogen ist die Steintafel des Steinsetzers Endres Reinfart eingelassen.

Rechts am Torbogen befinden sich die Hochwassermarken, dort sieht man in welchem Jahr der Fluß wie hoch stand.


Wegen seiner geografischen Lage, direkt neben dem Main hat die Gemeinde Niedernberg schon immer gegen Hochwasser zu kämpfen, meist im Frühjahr nach einer Schneeschmelze. Das schlimmste Hochwasser war 1342, das Magdalenenhochwasser. Den höchsten Pegelstand seit dem Jahre 1342 erreichte der Main am 29. Februar 1784. An diesem Tag wurde ein Wasserstand von acht bis zehn Metern über dem Normalwert erreicht. Außerdem hatte Niedernberg in den Jahren 1275, 1306, 1342, 1442, 1546, 1663, 1682, 1709, 1846, 1909, 1970 und 1982 mit extremem Hochwasser zu kämpfen. Auch heute tritt der Main hin und wieder aus seinem eigentlichen Flußbett und überschwemmt die naheliegenden Häuser und Gärten. Weitere Informationen finden Sie im Niedernberger Heimatbuch.



Hochwasser im Februar 2011